Was können wir wissen? Bertrand Russell und die Probleme der Philosophie

Shownotes

1872 geboren, verbrachte Bertrand Russell eine einsame Kindheit. Seine Mutter starb bereits zwei Jahre nach seiner Geburt, sein Vater 18 Monate später. In der Folge zog Bertrand zu seinen Großeltern, dem früheren Premierminister John Russell und seiner Großmutter Frances. Wenig später verstarb auch sein Großvater. Bertrand wurde von seiner Oma großgezogen und verbrachte die freie Zeit mit langen Spaziergängen im Richmond Park. Er war häufig niedergeschlagen und dachte sogar an Suizid. Seine Stimmung verbesserte sich erst, als ihn ein Stipendium mit 18 Jahren an die Universität Cambridge führte. Dort traf Bertrand erstmals auf Gleichgesinnte, die seine Leidenschaft für Mathematik und Philosophie teilten. Die Welt kann sich glücklich schätzen, dass Russell diese frühe Krise überwinden konnte: Denn im Laufe seines weiteren, langen Lebens – Bertrand wurde 97 – leistete er wegweisende Beiträge in der Mathematik, Philosophie und der Literatur. 1950 wurde ihm unter anderem für „Ehe und Moral“ der Literaturnobelpreis verliehen. Gerade weil er so früh mit schweren Krisen zu kämpfen hatte, ist es interessant, was Russells Lebenswillen dann doch noch befeuerte und ihn zu seiner ungemeinen Produktivität motivierte. In seiner in den Jahren 1967-1969, kurz vor seinem Tod veröffentlichten Autobiografie schreibt er: “Three passions, simple but overwhelmingly strong, have governed my life: the longing for love, the search for knowledge, and unbearable pity for the suffering of mankind.” Der Leidenschaft für Bertrand Russell spürt Host Luis Kirchner in dieser Folge zusammen mit seinem Gast Isidor Opperer nach. Der hat Russells Buch „Die Probleme der Philosophie“ ganz am Anfang seines Studiums gelesen. Sein Denken hat ihn über sein ganzes Studium begleitet. Für seine Bachelorarbeit ist Isidor nun erneut zu Russell zurückgekehrt und beschäftigt sich mit dessen „Philosophie des Geistes“. In Vorbereitung für die Folge haben beide (nochmal) „Die Probleme der Philosophie“ gelesen und diskutieren angeregt über die Grundlagen des Wissens. Dabei beschäftigt sie vor allem der Solipsismus und die Frage: „Leben wir in einer Simulation?“

Zu Gast: Isidor Opperer Moderation: Luis Kirchner

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In dieser Folge haben wir folgende Werke und Quellen erwähnt:

The Problems Of Philosophy: Bertrand Russell : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive, Buch “The Problems of Philosophy” Bertrand Russell (Stanford Encyclopedia of Philosophy), “Bertrand Russel” in der Stanford Encyclopedia of Philosophy Autobiography, "The autobiografie of Bertrand Russell” (1967-69) Neutral Monism (Stanford Encyclopedia of Philosophy), “Neutral Monism” in der Stanford Encyclopedia of Philosophy Solipsism and the Problem of Other Minds | Internet Encyclopedia of Philosophy, Solipsismus in der Internet Encyclopedia of Philosophy Bertrand Russell über Lenin A Conversation with Bertrand Russell (1952), längeres Interview mit Bertrand Russell, über sein Leben, Politik und die Probleme der Zeit The Nobel Prize Award Ceremony 1950: Bertrand Russell empfängt den Literaturnobelpreis (07:25)

Transkript anzeigen

00:00:01: So, dann kann ich ein bisschen ausholen und erzählen, dass er mich Zeit meines Studiums beschäftigt und ich jetzt sogar ihn ganz am Anfang gelesen habe und jetzt auch wieder so ein bisschen zu ihm zurückkehren.

00:00:13: Oh, er kehrt heim, der Boy.

00:00:20: Ich brenne, ich brenne für dieses Thema.

00:00:24: Feuer und Fan.

00:00:26: Der Podcast über Obsessionen, eigentümliche Interessen und die Kulturthemen, über die ein keiner lange genug reden lässt.

00:00:33: Und ihr müsst zuhören.

00:00:35: Dürft zuhören.

00:00:36: Dürft zuhören.

00:00:42: Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen, zu einer neuen Folge Feuer und Fan.

00:00:46: Heute ist Isidor zu Gast.

00:00:49: Hallo.

00:00:49: Und Luis auf der anderen Seite.

00:00:52: Ja, Isidor.

00:00:54: Du warst schon einmal zu hören, auf jeden Fall.

00:00:57: Letztes

00:00:57: Mal, ja, da war ich so ein bisschen der Side-Gust.

00:01:00: Ja, das ist

00:01:00: das Side-Cake sozusagen.

00:01:02: Dann hat Pino wieder was eingeworfen, ja.

00:01:04: Richtig.

00:01:05: Und heute widmen wir uns voll und ganz dir.

00:01:09: Juno kann leider heute ausnahmsweise nicht zur Folge.

00:01:12: Deswegen sind es nur wir zwei.

00:01:13: Aber nichtsdestoweniger beschäftigen wir uns jetzt mit deinem Fan-Thema, mit dem du hier einsteigst in unseren Podcast.

00:01:22: Worüber reden wir heute, Isidor?

00:01:24: Mit mir um meiner Leidenschaft.

00:01:25: Wir reden heute über Bertrand Russell, einen großen, bedeutenden Philosophen, der mich sehr beeindruckt und den ich sehr gerne lese, den ich generell so in seiner ganzen Person sehr inspirierend, sehr ansprechend finde.

00:01:41: Und genauer genommen noch über ein kurzes Buch von ihm, ein Einführungswerk in die Philosophie, The Problems of Philosophy, von dem wir ... Beide überhin die ersten Beine gelesen haben.

00:01:57: Ich sag mal so, man muss sehr dicht, wie man immer so beschreibt, so in der Literatur oder so.

00:02:02: Das spricht mir immer davon, dass Texte sehr dicht sind.

00:02:05: Aber da ist es einfach so, du musst wirklich jeden Satz genau verstehen, sonst ...

00:02:09: Und man muss es auch selber mit durcharbeiten, finde ich.

00:02:12: Das ist mir bei dem Buch so besonders aufgefallen.

00:02:14: Das hatte ich auch schon bei der ersten Erfahrung.

00:02:16: Ich weiß nicht, wie es da dir ging.

00:02:18: Das erste Mal, als ich es gelesen hab, dass man wirklich so nach fast jedem Satz oder nach jedem Sinnabschnitt das Ganze noch mal wirklich alleine im Kopf durchspielen und durchdenken muss.

00:02:29: Absolut.

00:02:30: Ich hab mich auf jeden Fall dabei ertappt, dass ich Sätze wirklich mehrfach gelesen hab, um da noch mal so durch das durchzudenken.

00:02:39: Aber bevor wir jetzt gleich reinspringen, tief in die Materie Isidor, für dich ist ja Philosophie ein großer Lebensinhalt.

00:02:48: Können wir wahrscheinlich mal so... Das ist ein

00:02:50: großer Lebensinhalt für mich.

00:02:53: Du studierst ja auch Philosophie.

00:02:55: Ich studiere Philosophie, ja.

00:02:56: Schreibst

00:02:57: auch gerade an deiner Bachelorarbeit, was wir hier verraten dürfen und da spielt ja auch Russell zumindest ab.

00:03:02: Eine kleine Rolle, wenn ich das richtig verstanden habe.

00:03:05: Noch schreibe ich nicht.

00:03:06: Ich bin noch voll und ganz in der Recherche.

00:03:07: Du arbeitest andere.

00:03:08: Ich

00:03:09: hab noch nicht mal mein Thema hundertprozentig genau definiert.

00:03:13: Aber ja, das ist so bisschen vielleicht doch die Sache, warum Russell so bedeutend für mich ist.

00:03:19: Ich hab den ganz am Anfang meines Studiums in der Einführungs- ins wissenschaftlich arbeiten, hab ich genau dieses Buch gelesen.

00:03:26: Und jetzt über ganz viele so Abzweigungen und Wege.

00:03:32: wo ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftigt hab, kehre hier bei meiner Bachelorarbeit wieder zu Bertrand Russell zurück.

00:03:39: Vielleicht nicht ganz genau zu ihm, aber zumindest zu Theorien, die stark auf ihn zurückgehen, also den russischen Monismus nennt man das.

00:03:48: Aha, ihr seht gut, können wir gerne später noch drauf eingehen, was das ist.

00:03:53: Ich fand das gerade, weil du das so gesagt hast, ich bin zu Russell zurückgekehrt.

00:03:58: Also kann ich klar auch nachvollziehen, ich find das sehr spannend.

00:04:01: Weiß nicht, wie da deine Einschätzung ist.

00:04:04: Wenn man so über Philosophie oder auch, finde ich, auch Soziologie so ein bisschen liest, dann hab ich immer das Gefühl, es gibt da sehr ... die Personen stehen sehr stark im Vordergrund.

00:04:17: Und dass man sozusagen also wirklich ein Anhänger, also es wird oft so beschrieben, man ist so ein Anhänger oder manchmal wird sogar so von Jüngern gesprochen, so die Kantjünger oder die Hegel, Hegeljana oder sowas.

00:04:29: Stimmt, vielleicht hab ich das jetzt auch verwechselt.

00:04:31: Ähm, ja... Ja,

00:04:35: ich weiß, was du weißt.

00:04:37: So, ähm... Ich geb zu, ich finde das manchmal... ein bisschen befremdlich, dass man sich so auf, dass man sich so sagt, ich bin Hegeljana.

00:04:47: Und das ist meine gesamte, dass ich mich mit so stark mit einer Person identifiziere.

00:04:53: Wie ist das für dich?

00:04:54: Also, ich würde mal sagen, das war damals natürlich noch stärker der Fall.

00:04:57: Und das wäre zumindest meine Vermutung, wo man noch stärker so vielleicht so einen Chini Kult hatte und es dann so gewisse herausragende Personen wie Kant oder Hegel gab.

00:05:07: Ja.

00:05:08: Und mittlerweile, wo es dann auch eben so riesige Monumentalwerke verfasst wurden einfach.

00:05:14: Und heute ist so die Philosophie als ganzes schon auch mehr zu so einer Wissenschaft geworden, wo dann auch mal Paper geschrieben werden, wo nicht so ein breiterer Diskurs stattfindet, wo dann ganz verschiedene Leute an gewissen Sachthemen arbeiten.

00:05:29: Aber in gewisser Hinsicht spielen natürlich erstens die großen Denker immer noch eine Rolle.

00:05:34: Und es ist, glaube ich, auch noch mehr so als in anderen Disziplinen, dass es schon noch so ... auch noch Bücher geschrieben werden, was jetzt vielleicht der Chemie, ich weiß es nicht, aber da ist, glaub ich, schon alles sehr paper.

00:05:48: Ja, auf jeden Fall.

00:05:49: Aber was ich dazu noch sagen wollte, das ist mir nämlich jetzt auch noch mal in Vorbereitung auf dieses Thema aufgefallen.

00:05:55: Es hat auch einen Grund, und zwar ganz einfach den Grund, dass es oft sehr, sehr schwer ist, so ... Wörter überhaupt zu definieren in der Philosophie.

00:06:08: Und das ist jetzt deshalb so echt Schwieriges zu sagen, man arbeitet jetzt an Idealismus.

00:06:14: Weil halt dann eben jeder noch mal sehr individuell, sehr individuell diese Wörter für sich fasst.

00:06:21: Und es ist deshalb schon auch einen inhaltlichen Grund hat, sich stark an gewissen Denkern, Autoren oder Autorinnen zu fokussieren.

00:06:31: Weil man dann einfach direkt auf deren spezifische Definitionen und so anschließen kann.

00:06:36: Ja, uns nicht so im leeren Raum noch mal fundamental definieren muss.

00:06:40: Ja, klar.

00:06:41: Also ich glaube auch, es ergibt total Sinn, weil halt eben es geht ja bei euch viel um Theorien, nehm ich mal an.

00:06:47: Ist ja auch so was ich zumindest aus der Soziologie so mitbekommen habe.

00:06:50: Also vielleicht weiß ich nicht, ob du den kennst, es ist vielleicht für die Hörerinnen jetzt ein kurzer Einwurf, vielleicht kennt ihr den podcast soziopott der hat zwanzig ist geendet aber hat über zehn jahre glaube ich mindestens zehn jahre wenn ich mich nicht irre eben verschiedene also so einführungen gemacht.

00:07:10: das war eben dr.

00:07:12: nines köbel ein hochschulprofessor und patrick breitenbach der ist einfach eine person des öffentlichen lebens.

00:07:18: die haben sich eben immer ausgetauscht über Hannah Arendt über Hegel, also über Fichte, also immer so alle.

00:07:25: Aber

00:07:26: war es Soziologie oder

00:07:27: was?

00:07:27: Soziologie, Philosophie.

00:07:29: Die uns die streiten.

00:07:30: Die haben das ganz böse, interdisziplinär vermischt, immer mal wieder.

00:07:34: Also die haben auch Folgen über Familie gemacht oder über Migration oder so.

00:07:37: Also immer so, also diesen Themenblock sozusagen.

00:07:42: Ja, ist natürlich die Frage, ob das überhaupt okay ist.

00:07:45: Aber das war zumindest für mich als...

00:07:47: Sie dürfen sich gerne bedienen.

00:07:50: Zumindest die Autorität, die ich da besitze, was keine ist.

00:07:54: Ihr dürft Philosophen lesen, auch wenn ihr aus anderen Disziplinen stammt.

00:07:58: Das ist sehr freundlich.

00:07:59: Ich durfte das ja auch.

00:08:02: Aber ich seh dir vielleicht, bevor wir jetzt noch ganz reingehen, kannst du so ganz allgemein beantworten, warum fasziniert dich Philosophie so?

00:08:13: Du kommst mit den ganz, ganz schwierigen Fragen, warum fasziniert mich Philosophie so?

00:08:18: Also, ich weiß es nicht.

00:08:19: Es ist natürlich auch, glaube ich, viel Kontingenz dabei.

00:08:23: So würden wir das nennen, was man vielleicht zufällig beschreiben, als Zufall beschreiben würde.

00:08:28: Es war nicht so, dass ich schon mit vier Gewissen habe.

00:08:32: Philosophie ist meine große Leidenschaft.

00:08:34: Aber an sich finde ich es schon sehr, sehr spannend, weil es einfach die großen Fragen stellt.

00:08:40: Das sind extrem breite Disziplinen.

00:08:42: Sie hat hier so ... ganz lebenspraktische, angewandte Sachbereiche.

00:08:48: So fragen wir, was passiert nach dem Tod?

00:08:51: Oder wie sollen wir uns verhalten?

00:08:52: Das sind ja Fragen, die uns so ganz unmittelbar betreffen.

00:08:56: Uns ganz unmittelbar auch jeden Menschen interessieren, wie skeptisch man auch der Philosophie gegenüber eingestellt sein mag.

00:09:04: Und dann kann sie aber natürlich auch schon in sehr wissenschaftliche gehen, hat Anknüpfungspunkte an die Mathematik, an die ... Biologie eigentlich an alle Einzelwissenschaften.

00:09:14: Das ist wahnsinnig divers.

00:09:16: Man kann sich auch mit sehr viel beschäftigen und kann sehr kreativ auch arbeiten und entwickeln.

00:09:21: Das macht mir, glaub ich, Spaß,

00:09:23: ja.

00:09:24: Ja, ich kann hier noch kurz einen Schlau, einen Klugscheißer-Move einwerfen.

00:09:30: Tokudides, ein griechischer viel Denker, glaub ich.

00:09:34: Ich weiß nicht, ob er Philosoph war.

00:09:35: Das war

00:09:35: ja auch Denker.

00:09:36: Denker,

00:09:37: sehr neutral gesprochen.

00:09:38: Der hat gesagt, Geschichte.

00:09:41: ist nichts anderes als Philosophieunterricht am Beispiel.

00:09:45: Deswegen, also was du gesagt hast, dass die Philosophie da sehr einvernehmend ist sozusagen, sehr viel umfasst, kann ich gut nachvollziehen.

00:09:56: Ja, das ist natürlich auch einfach aus der Entwicklungsgeschichte heraus erklärt.

00:10:00: Also es ist gar nicht unbedingt so, dass die Philosophie sich da so... breit macht und andere Disziplinen vereinnahmt, sondern ist eher geschichtlich gesehen so, dass andere Disziplinen sich von der Philosophie emanzipiert haben, aber dann noch gewisse philosophische Restbestände überall bestehen.

00:10:18: Ja,

00:10:18: auf jeden Fall.

00:10:19: Gut, Bertrand Russell.

00:10:22: Bertrand

00:10:22: Russell.

00:10:23: Du hast gesagt, du bist ihm schon früh in deinem Studium begegnet.

00:10:27: Ja,

00:10:27: in einem Einführungssiminar haben wir unter anderem Bertrand Russell gelesen.

00:10:32: Auch dieses Buch eben.

00:10:35: Ich kann kurz noch formal sagen, der deutsche Titel ist die Probleme der Philosophie.

00:10:40: Eben von Bertrand Russell geschrieben.

00:10:43: Oh je, jetzt gucke ich hier live in meine Ausgabe rein, die ich von der Uni Bibliothek München mir ausgeliehen habe, die schon sehr alt ist und fast auseinander fällt.

00:10:52: First Edition, neunzehntzwölf.

00:10:54: Also auch schon sehr alt tatsächlich.

00:10:57: War Russell so in seinen... Vierzkern, Furchtskern vielleicht.

00:11:01: Das kann sein, du.

00:11:02: Ich habe sein Leben gesagt.

00:11:04: Ja, warum schauen wir uns dieses Buch an?

00:11:07: Weil ich meine, natürlich, wir mussten ja überlegen.

00:11:09: jetzt Philosophie, hatten wir ja gesagt, wie wir schon gesehen haben, ist ein sehr breites Thema.

00:11:15: Und du hast gesagt, wir nehmen dieses Buch, um ein bisschen daran Philosophie auch vielleicht anschaulich zu machen.

00:11:23: Warum hast du das ausgewählt?

00:11:26: Ich mag dieses Buch sehr gerne als Einführung, obwohl es jetzt nicht wie andere Einführungswerke so einen historischen Überblick bietet.

00:11:34: So, das würde jetzt vielleicht auch Sinn ergeben für ein Einführungswerk.

00:11:38: Sophie's Welt oder so, was ist ja da was?

00:11:40: Ja,

00:11:41: da find ich übrigens auch ein sehr, sehr gutes, einfaches Werk, das hätte man vielleicht auch nehmen können.

00:11:45: Das hab ich tatsächlich noch zu Schulzeiten gelesen.

00:11:47: Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich mich überhaupt für ein Studio mit China hab.

00:11:50: Aber Bertrand Russell, The Problems of Philosophy, gefällt mir sehr gut, weil es so eine Denk-Einführung irgendwie bietet.

00:12:01: Weil es beginnt so ... das klingt man so armchair philosophie einfach am tisch sitzend und über philosophisch nachdenkend.

00:12:11: und ich find Bertrand Russell tut es in seiner sehr klaren verständlichen Sprache und auch sehr knapp so durch exerzieren, dass man dem auch sehr gut folgen kann.

00:12:23: Er setzt wenig Vorwissen voraus, weil er dann da wenig so sonderbar anmutende philosophische Spezialvorstellungen mit einfließen lässt schon von Anfang an.

00:12:35: Und er nimmt, denke ich, den Leser sehr gut mit.

00:12:38: oder die Leserin?

00:12:39: Ja, das war auch definitiv mein Eindruck, als ich jetzt eben wie gesagt die ersten beiden Kapitel gelesen habe, ja ... Wollen

00:12:46: wir mal ein bisschen beschreiben, worum es geht?

00:12:48: Sehr gerne.

00:12:49: Fangen wir an.

00:12:49: Das erste Kapitel heißt ...

00:12:51: Das erste Kapitel heißt Appearance and Reality.

00:12:55: Also

00:12:56: Erscheinung

00:12:57: und Wirklichkeit.

00:12:58: Realität, das ich jetzt gesagt

00:13:00: habe.

00:13:01: In der Ausgabe, die ich auf Deutsch kurz gefunden habe, da wurde es mit Wirklichkeit übersetzt.

00:13:04: Aber da geht wahrscheinlich schon das Problem los.

00:13:06: Auch sehr plausibel.

00:13:08: Da würde ich mich jetzt nicht drauf aufhängen.

00:13:10: Ja, und da geht es eben erst mal um die zentrale Frage.

00:13:15: Können wir Wissen haben?

00:13:18: über die Welt.

00:13:19: Was können wir überhaupt wissen?

00:13:21: Und es beginnt dann eben mit dieser sehr, auch so hier aus der so POV, würde man vielleicht modern sagen, Russell sitzt an seinem Schreibtisch.

00:13:29: Wir schreiben diesen Schreibtisch.

00:13:30: Passt sehr gut zu unserer Situation hier.

00:13:32: Wir sitzen hier auch in unserem Studio an einem Tisch.

00:13:34: Sogar

00:13:35: an einem Oval-Tisch.

00:13:37: Kann man das überhaupt sagen, Luis, dass er Oval ist?

00:13:40: Oh ja, oh Gott, als ich das gelesen habe, ich war echt so kurz, ach du meine Güte, also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, geht es ja ihm darum zu sagen, erst mal, wenn wir ganz genau nachdenken, können wir nicht sicher sein, dass dieser Tisch, an dem wir beide Easy Do It sitzen,

00:13:58: boom,

00:13:58: der so ein Boom macht, dass der wirklich da ist.

00:14:04: Ja.

00:14:04: Sondern alles, was wir ja sehen, ist nur Produkt unseres Gehirns.

00:14:10: Da gibt es ja auch hunderttausend Beispiele von so Sachen, wie man seinen Hirn austricksen kann, dass man sieht, okay, was wir sehen zum Beispiel, ist nicht unbedingt die Realität und so weiter.

00:14:21: Das war der Anfangsgedanke, oder?

00:14:23: Wobei ich da ein bisschen vorsichtig wäre zu sagen, ich weiß nicht, ob du das tun wolltest, er ist da nicht unbedingt so, dass er das ... Affirmiert.

00:14:32: also er sagt nicht unbedingt das ist so dass nicht existiert aber geht so von so einer eben.

00:14:38: wie gesagt was können wir überhaupt wissen von so einer Erkenntnis theoretischen Perspektive daran und fragt können wir das denn sicher wissen?

00:14:46: zum Beispiel was für eine farbe hat der tisch?

00:14:49: welche form hat der tisch welche?

00:14:53: wie fühlt das sich an der tisch?

00:14:54: welchen ton gibt davon sich Draus kloppt.

00:14:59: Und weiß, wie er schmeckt, da, glaube ich.

00:15:02: Das hat er rausgelassen.

00:15:03: Komisch.

00:15:04: Ich hab das zu Hause dann auch noch mal ...

00:15:07: Hast du ein Experiment gemacht?

00:15:09: Da kam das Ganze mit allen Sinnen.

00:15:11: Und um das so ein bisschen noch mal den Hörerinnen verständlich zu machen, das Argument ist quasi das, gemeinhin würde ja angenommen werden, dass man jetzt von einem Tisch, man stellt sich einen olinären Holztisch vor, sagen würde, er besitzt die Farbe.

00:15:26: oder er fühlt sich glatt an oder er gibt so einen gewissen ... Ein gewissen Fölz an den Ton von sich, wenn man draufschlägt oder riecht vielleicht sogar so ein bisschen nach Holz oder nach anderen Dingen.

00:15:39: Und er sagt dann eben, ist es wirklich so gewiss?

00:15:43: Können wir das wirklich sagen?

00:15:45: Und er spielt das durch mit den Sinnen, z.B.

00:15:47: mit dem optischen Sinnen, dass er eben sagt, der Tisch erscheint braun, aber ... Maler würde jetzt zum Beispiel nicht hingehen und einfach ein Braun mischen in seinem Aquarell oder Öl Malfarbkasten und dann alles in einer Farbe ausmalen, sondern er würde, wenn er Expressionist wäre, würde er da vielleicht sogar blaue Felder oder so was einbringen.

00:16:09: Aber auch wenn das versucht, realistisch darzustellen, würde er den Schatten zum Beispiel dadurch erzeugen, dass er blau reinmüscht oder dass er irgendwo schwarze Felder malt oder irgendwo, wo die Sonne drauf scheint, gelb oder rot.

00:16:22: Aber wir jetzt typischerweise nicht sagen würden, der Tisch ist

00:16:25: gelb.

00:16:26: Die Konklusion, Russes ist jetzt das ... Entschuldigung.

00:16:31: Alles gut.

00:16:31: Die Konklusion, Russes ist jetzt, dass er eigentlich so ein bisschen zur Bescheidenheit auffordert und sagt, können wir denn wirklich sagen, dass es so einen privilegierten Zugang zum Tisch gibt?

00:16:44: Können wir sagen, es gibt so etwas wie eine ... absolute Farbe des Tisches, wie er unter normal Bedingungen erscheint.

00:16:51: Gibt es überhaupt normal Bedingungen?

00:16:53: Ja.

00:16:54: Zum Beispiel, wenn wir nachts in unser Wohnzimmer kommen, ist der Tisch immer grau.

00:16:58: Und das ist jetzt mehr braun als grau.

00:17:00: Und wenn

00:17:01: ja, wie legen wir das fest, was die privilegierte Farbe ist?

00:17:04: Okay, also wenn ich das richtig verstanden habe, kann es mich gerne korrigieren, ist es sozusagen so, erst mal stellt er die Frage, ist der Tisch ... immer?

00:17:12: wie gesagt ist der tisch immer braun auch wenn die licht verhältnisse beispielsweise in einer anderen farbe erscheinen lassen oder was was er ja glaube ich eher so suggeriert.

00:17:22: es könnte eben sein dass quasi die objekte tatsächlich existieren aber so wie sie sich sie sich uns präsentieren immer variieren und dementsprechend ja also nicht das nicht immer das.

00:17:36: Also nichts, keine generelle Eigenschaft sozusagen vom Tisch gibt.

00:17:41: Ja, genau.

00:17:42: Genau, er vertritt eben so einen gewissen Relativismus oder ... Ja, genau.

00:17:48: Und er sagt eben, wir sollten da einfach vorsichtig sein mit unserem Urteil, so vorschnell zu sagen, wir wissen, der Tisch ist braun, weil das eigentlich sehr stark von den ... die O-Bachtungsbedingungen abhängt von unseren eigenen Wahrnehmungskapazitäten.

00:18:04: Es gibt Leute, die Wahrnehmungs- oder die Rot-Grünblinzen zum Beispiel.

00:18:09: Und aber auch von Instrumenten zum Beispiel, was er auch noch den Punkt bringt.

00:18:14: Die Oberfläche erscheint jetzt erst mal glatt zu sein, aber würden wir da mit einem

00:18:19: Mikroskop

00:18:19: auf den Tisch richten, sehen wir unfassbar viele Berge, Hügel, Zerklüftungen.

00:18:25: Und typischerweise nehmen wir ja sogar an, dass so ... dass man sehr kleiner ist, richtiger ist.

00:18:31: Dann kann man die eben schon nicht mehr sagen, dass er glatt ist.

00:18:33: und sagen wir jetzt erst glatt oder sagen wir jetzt erst zerklüftet.

00:18:36: Ja, das ist eine Frage der Perspektive.

00:18:38: Ja, sehr spannend.

00:18:39: Ich musste da auch gerade noch an die Impressionisten tatsächlich denken.

00:18:42: Also Claude Monet hat ja so als erster, glaube ich, sehr gut in der Kunst auch vorgeführt, das heben mit seinen Serien von immer derselben Kirche oder so, dann im Sonnenuntergang, im Abendrot, wie unterschiedlich ... das aussehen kann und dass dann eben zum beispiel eben die kirche auch blau sein kann obwohl sie uns eigentlich eher grau erscheint vom stein

00:19:05: und total

00:19:07: total spannend auf jeden fall auch wenn es natürlich so ein bisschen anstrengend ist.

00:19:11: aber es ist glaube ich Ja, sehr gut.

00:19:13: Ich meine, dann kommt er ja auch noch mit diesem Begriff Sinnes-Daten, um die, kannst du vielleicht erklären, was es damit auf sich hat?

00:19:19: oder Sense-Data.

00:19:20: Ja, genau.

00:19:22: Also er macht dann ihm diese Unterscheidung auf, indem er eben erst mal, wie wir jetzt besprochen haben, diese Zweifel daran weckt, ob wir überhaupt so was von so etwas wie einem... absoluten Tisch der so und so ist reden können.

00:19:35: Und dann sagt er eben, ne, was wir eigentlich haben, sind eben nur diese Sinnes-Daten.

00:19:41: Was dann eben sowas ist, wieso der Eindruck eines braunen Farbflecks oder der Eindruck eines blauen Farbflecks.

00:19:50: Und deshalb eine sehr... lange und erfolgreiche Traditionen in der Geschichte der Philosophie, weil es dann eben finde ich schon auch stark an Dekar anknüpft und auch Russell, dass so ein bisschen diese Hierarchie ist mir ganz stark aufgefallen, durchzieht, dass er eben sagt, es gibt gewisse Dinge, die sind ganz gewiss und dazu zählt eben dieser Unmittelbare.

00:20:14: Sinneseindruck.

00:20:15: Ja, warum ich DK sagt, er sagt ja, ich denke also bin ich.

00:20:19: Und das ist eine absolute Wahrheit, weil man ja schon im Moment dieses Denkens irgendwie existiert.

00:20:28: Man hat da so etwas Unmittelbargegebnis, was sich gar nicht bezweifeln lässt, weil auch dieser Moment des Zweifelns schon wieder so eine ... eine solche Wahrnehmung wäre, die die Aussage wiederum bestätigt.

00:20:43: Genau dasselbe lässt sich auch auf Sinnes-Wahrnehmungen anwenden.

00:20:46: In dem Moment, wo da eine blaue Sinnes-Wahrnehmung ist, kann ich gar nicht dran zweifeln, dass da eine blaue Sinnes-Wahrnehmung ist.

00:20:55: Ich kann daran zweifeln, dass da auch wirklich ein blau ist.

00:20:58: Vielleicht war es auch nur blaues Licht oder was weiß ich.

00:21:01: Dass ein weißes Objekt beschienen hat.

00:21:03: Aber an dieser unmittelbaren Sinnes-Wahrnehmung lässt sich erst mal nicht zweifeln.

00:21:07: Und deshalb ist die so ... In dieser Hierarchie des sicheren Wissens ganz oben anzusiedeln.

00:21:13: Interessant, ja.

00:21:14: Ich komme immer wieder gerne auch eines meiner Lieblingsthemen, der Linguistik, zurück.

00:21:19: Sehr gerne.

00:21:20: Es ist ja auch interessant zu sehen, dass eben, wo wir eben bei Farben sind, da ja auch verschiedene Sprachen unterschiedliche Unterteilungen machen.

00:21:29: Und dass ich auch historisch wandeln kann.

00:21:31: Also, wenn ich das jetzt gefährlich ist, habe ich meine, dass auch die Farbe Rosa zum Beispiel erst recht spät ins Deutsche gekommen ist.

00:21:38: Oder man kann ja auch an dem Wort Orange sehen, das ist ein Fremdwort.

00:21:42: Eigentlich hat jetzt keine germanische Wurzel.

00:21:46: Und natürlich, oder eines der besten Beispiele ist vielleicht die Unterteilung im Russischen.

00:21:51: Die haben zwei verschiedene Wörter für blau und für hellblau.

00:21:56: Und es gibt auch tatsächlich Studien, die gemacht wurden, dass russisch-muttersprachige Menschen quasi eine gleiche Hirnreaktion haben.

00:22:07: einem beispielsweise deutschmuttersprachler wurde rot und gelb präsentiert und dann reagiert das Hirn halt also nacheinander reagiert das Hirn entsprechend und registriert diesen farbunterschied.

00:22:19: und eben russisch-muttersprachlerin wurde dann eben blau und hellblau präsentiert und die hatten genau dieselbe reaktion wie die deutschmuttersprachlerin bei rot und gelb.

00:22:29: so das heißt also tatsächlich die Die Sprache, die wir sprechen, das ist auch wieder eine sehr, sehr heikle und große Debatte in der Linguistik, ob die Sprache tatsächlich die Art, wie wir denken, also unsere Muttersprache, die Art, wie wir denken, beeinflusst.

00:22:44: Aber zumindest in dem Fall, in diesem kleinen speziellen Fall, deutet das schon darauf hin, dass dann eben als zumindest unsere Sinneswahrnehmung auch von so etwas geprägt ist, wie die Muttersprache, die wir haben.

00:22:55: Ja, aber dann... Spannenderweise auch die Sprache, wie da nicht so etwas auch nix ist, indem man so absolute Gewissheit findet.

00:23:04: Wenn man jetzt als Deutscher vielleicht sagen würde, ja gelbe und erroscht sind zwei verschiedene Farben, nimmt man vielleicht einfach so an, weil es zwei verschiedene Wörter sind.

00:23:14: Und dann schaut man sich aber vielleicht einen Ansprache an, wo es nur ein Wort gibt.

00:23:20: Das betrifft auch irgendwie so die Grundfesten von dem, was wir denken, sicher zu wissen.

00:23:27: Ähnliches macht auch Russell und deshalb kann man davon auch so ein bisschen, kann der Kopf schwieren.

00:23:32: Ja, ja, ja.

00:23:33: Es ist schon so ein Art Strudel, in dem man sich dann, also ein Strudel der Ungewissheit, in dem man sich so reinbegibt.

00:23:40: Ich würde vielleicht mal kurz an dieser einen Stelle ... Ein Zitat eben von Russell aus dem Buch vorlesen, das ist auf der Seite fünfzehnt in der deutschen Ausgabe.

00:23:51: Schreibt da, da sind wir noch im ersten Kapitel.

00:23:54: Viele Philosophen, vielleicht auch die meisten, haben behauptet, dass es nichts Wirkliches gibt außer dem Bewusstsein und seinen Vorstellungen.

00:24:02: Solche Philosophen nennt man Idealisten.

00:24:05: Wenn es darum geht, die Materie zu erklären, sagen sie entweder, wie Berkeley, dass Materie nichts als eine Kollektion von Vorstellungen sei, oder sie sagen, wie Leibniz, dass das, was uns als Materie erscheint, in Wirklichkeit eine Ansammlung mehr oder minder bewusster Existenzen sei.

00:24:24: Wenn ich das richtig verstanden habe, fasst er da das gerade so ein bisschen zusammen, was wir gerade so ein bisschen besprochen haben und fasst das unter dem Schlagwort Idealismus oder Idealistin.

00:24:36: Idealismus versus Material.

00:24:38: Genau, weil das kommt dann jetzt als Nächstes bei ihm.

00:24:41: Ich fand es auch noch sehr interessant, weil eben Russell ja sehr so, oder du hast auch gemeint, es ist ein Buch, das ist sehr einführend in die Philosophie und du hast ja auch gesagt, er will da jetzt nichts absolut setzen, sondern stellt erst mal nur vor, was es für Denkrichtungen gibt.

00:24:55: Aber kurz vor diesem Zitat schreibt er dann ja auch, dass diese Vorstellung, auf Englisch hatte, glaube ich, das Wort fallacious benutzt, also fehlerhaft, aus seiner Sicht.

00:25:05: Also, habe ich das richtig verstanden, ist Russell also kein Idealist.

00:25:09: Nee, er ist kein Idealist, spannenderweise wahrer, aber ein Idealist in seiner... Jugend.

00:25:16: Es gab da so eine Strömung britischer Idealismus, die scheinbar so zu der Zeit, wo er in Cambridge war, jetzt mit achtzehn nach Cambridge gekommen, das ja einfach reich war.

00:25:26: Was genau jetzt aber diesen britischen Idealismus da charakterisiert hat.

00:25:30: Da bin ich auch nicht historisch bewandert genug in diesem Spezial Thema.

00:25:37: Genau, weil das ist eben auch so ein bisschen das Problem mit Worten.

00:25:40: Ich weiß nicht, ob wir es im Podcast oder im Vorgespräch hatten, aber es ist sehr schwer zu sagen, was Idealismus

00:25:48: grundsätzlich

00:25:48: bedeutet.

00:25:49: Aber deshalb ist es schon sehr gut, wenn ... er nennt ja hier zwei spezifische Denker.

00:25:53: Jedoch, das hatten wir, glaub ich schon.

00:25:55: Er nennt Berkeley und Leibniz.

00:25:57: Und zumindest dieser Auffassung steht er skeptisch gegenüber.

00:26:01: Auch von dem Idealismus, den er anfangs vertreten hat, distanziert er sich dann.

00:26:05: Okay, ah, er hat da selber auch in seinem Denken ... während seines Lebens eine Wandelung durchgemacht.

00:26:12: Der Typ ist im Jahr neugierig geworden.

00:26:14: Hat viel erlebt.

00:26:15: Genau, das sollten wir vielleicht auch noch mal sagen.

00:26:17: Wir können hier keine abschließende Abhandlung Virtual Drusses leisten.

00:26:22: Und was ich auch jetzt gerade im Bus noch gelesen hab, er hat in seinem Leben sechzig Bücher, zweitausend Articles, also in wissenschaftlichen Zeitschritten verfasst, und neunzigtausend Briefe.

00:26:36: Also, ich glaube, da findet man ein breites Spektrum an verschiedenen Positionen.

00:26:39: Aber jetzt schweife ich ab.

00:26:41: Okay.

00:26:42: Wir hatten das Thema Materialismus versus Idealismus.

00:26:45: Genau.

00:26:47: Ich erkläre vielleicht die beiden Begriffe noch mal so kurz.

00:26:50: Idealismus geht auf Platon zurück.

00:26:54: Viele kennen vielleicht dieses Hühlengleichnis.

00:26:56: Mhm.

00:26:56: Und mit den

00:26:57: Figuren, die da sitzen und dann werden so Schattenspiele gespielt und so weiter.

00:27:01: Wir hatten das im Oberstufe Religionsunterricht

00:27:03: durch.

00:27:03: Ja, das hatten die meisten, deshalb benenne ich das jetzt hier.

00:27:06: Und Platon meinte eben, die Welt der Dinge um uns rum, die ist irgendwie unvollkommen.

00:27:14: Und er hatte da auch so erkenntnistheoretische Bedenken, z.B.

00:27:18: Ja, es gibt Pferde, die haben braunes Fell, es gibt Pferde, die haben weißes Fell, es gibt Pferde, das vielleicht verletzt wurde und hat nur drei Beine.

00:27:26: Wie definieren wir jetzt ein Pferd?

00:27:30: Die Pferde, die wir da draußen sehen, eigentlich ganz ähnlich wie Russell, die können uns keinen festen Anhaltspunkt geben, weil die alle so, so verschieden sind.

00:27:40: Und deshalb muss es irgendwie so etwas geben wie eine ... wie ein absolutes Pferd.

00:27:45: Man kann sich das vielleicht vorstellen.

00:27:46: Ich stelle mir das immer so vor wie der Durchschnitt aus allen Pferden.

00:27:50: Also, heute kann man das ja so machen, man morft, man macht so alle Bilder von Pferden übereinander und dann kommt es so, ja, okay.

00:27:58: Genau, und Platon meinte eben auch so Erkenntnis theoretisch, dieses absolute Pferd ist so der Grund, warum wir diese ganz anderen Pferde erkennen und auch irgendwie so der Grund, warum die überhaupt existieren.

00:28:11: Und was ist aber in dem Kontext Relevantes?

00:28:14: Damit denkt Platon quasi und dachten dann auch andere Idealisten, dass irgendwie so dieses gedankliche, dieses abstrakte, irgendwie wirklicher sei.

00:28:23: also das, was man jetzt so als Tisch, als Flasche, als Kamera, als Mikrofon.

00:28:30: Also die Sinn ist ein, drücke dann, also die Sinn des Daten, von denen an Russisch spricht, dass die weniger wirklich sind als dieses ... absoluten Konzepte.

00:28:38: Schwierige

00:28:39: Frage, ich würde eher sagen, dass Materialisten, also das so der Kontrast,

00:28:44: eher

00:28:44: die sind, die so naiv annehmen, dass sowas wie der Tisch einfach so existiert, wie es

00:28:50: existiert.

00:28:51: Und deshalb ist Russell auch kein starker Materialist, weil eben dem schon auch sehr skeptisch gegenüberstehen.

00:28:57: Okay.

00:28:58: Gut, also das kommt dann ja sozusagen im zweiten Kapitel, oder?

00:29:02: Da geht es dann ja weiter Richtung Materialismus.

00:29:05: Er stellt sich da die Frage, existiert Materie überhaupt?

00:29:09: Ja.

00:29:10: Was ist deine Einschätzung?

00:29:12: Boah.

00:29:13: Ja, du.

00:29:17: Also ich kann beide Argumentationsrichtungen nachvollziehen.

00:29:21: Ich gebe zu, dass ich echt sehr große Schwierigkeit damit habe, so mir vorzustellen, dass wirklich, also ich, sag so rum, fühle jetzt vielleicht ein bisschen weg.

00:29:31: Aber ich habe mir so gedacht, wer nicht das gelesen habe, ich musste da sehr viel daran denken.

00:29:35: Ich hatte mal ein Gespräch vor ewigem Zeit mit einem Schulfreund von mir, wo er mir zum ersten Mal so erzählt hat von dieser Vorstellung, dass alles, also dass die gesamte Welt nur eine Simulation sei, ist er so recht beliebt populär.

00:29:50: Und meinte dann auch, es könnte sogar sein, dass du, also meinte mich, also ich quasi, die einzige Person bin, die wirklich existiert und alles um dich herum nur eine Illusion oder nur ein Traum ist.

00:30:03: Das ist ja auch diese sehr beliebte, interessante Vorstellung.

00:30:07: Und ganz das genau der Punkt, an dem wir uns befinden.

00:30:09: Ja, so.

00:30:11: Und ich habe mir gedacht, also einerseits finde ich diese Vorstellung ein bisschen gruselig, weil ich auch andererseits Dann immer so denke, es könnte jetzt auch wirklich sein, dass erst zu diesem Zeitpunkt, wo ich jetzt hier diese Worte spreche, mein Leben oder meine Simulation jetzt erst anfängt.

00:30:27: Und alles, was davor war, ist nur in meine Erinnerung eingepflanzt worden, in meinem Gehirn so.

00:30:34: Weil ich kann ja, das ist so das Absurde, ich kann mir das ja denken, und ich habe mir das auch schon in früheren Momenten, zumindest in meiner Erinnerung gedacht, aber ich kann ja nur meine Erinnerung abrufen.

00:30:45: Ich kann nicht zurückreisen.

00:30:49: Das heißt, das sind alles Gedanken, die fand ich schon ein bisschen auch beängstigend.

00:30:55: Ich kann das alles nicht sicher wissen.

00:30:57: Aber was ich mir dann jetzt beim Lesen von dem Buch gedacht habe in Vorbereitung, da musste ich auch wieder an diese ganzen Gedanken denken, Simulation und so weiter, dachte ich mir, sehr pragmatisch jetzt vielleicht im Gegensatz zu den Grenzen.

00:31:14: Aber ich dachte mir, ist das nicht eigentlich eine sehr, blöd gesagt, gefährliche Denkweise?

00:31:21: Wenn ich quasi durch diese Fragen von Philosophie und Idealismus, Materialismus und so weiter vielleicht zu der Annahme komme, ich bin ganz alleine auf dieser Welt und alles um mich herum ist nur ein Traum, dann ist es ja letztlich egal, wie ich mich verhalte.

00:31:39: dann kann ich ja anderen Menschen quasi hemmungslos Leid zufügen.

00:31:46: Ich finde, es

00:31:46: hat aber auch ... Weil es wird, wenn ja niemand anderes da ist als ich.

00:31:50: Ich weiß so, zu diesem Punkt bin ich dann komm irgendwie, als ich das gelesen habe.

00:31:56: Ja, aber was ist für mich auch beim ersten Lesen und auch jetzt so an dem Punkt der Argumentation, wo wir uns im Buch befinden, ist das eigentlich eine plausible ... Denkweise.

00:32:07: Und du machst jetzt da so ein bisschen ... ja, so ein Nutzungsargument.

00:32:12: Du sagst einfach, es ist eine schlechte Überzeugung jetzt mal.

00:32:17: Aber das zeigt dir nicht unbedingt, was drüber aus, ob es wahr

00:32:19: ist.

00:32:20: Das stimmt.

00:32:21: Nur, ich dachte mir, solche Fragen, das ist dann vielleicht auch noch mal Ethik oder so was.

00:32:26: Aber das ist ja, wenn ich das richtig verstanden habe, wenn ich mich bisher mit dir über Philosophie unterhalten habe, ist ja auch Teil davon.

00:32:34: Das soll ja nicht weggelassen werden, oder?

00:32:36: Nee, aber es ist noch mal so ein bisschen ein anderer Bewertungsmaßstab.

00:32:41: Ja, klar.

00:32:43: Etwas kann vielleicht wahr sein, aber ... Eine Überzeugung kann vielleicht wahr sein, aber trotzdem eine schlechte Überzeugung sein.

00:32:50: Es kann vielleicht besser sein, wenn alle Menschen denken ... Gott zwingt uns, zu allen anderen Menschen gut zu sein.

00:32:57: Vielleicht existiert kein Gott, aber es wäre trotzdem gut, wenn alle das denken, weißt du.

00:33:03: Ich will hier keine Aussage darüber treffen,

00:33:05: ob es

00:33:05: existiert oder nicht.

00:33:06: Aber es gibt Vorstellungen, die sind nützlich, und sie sind auch nützlich, wenn sie nicht wahr sind für eine Gesellschaft.

00:33:14: Die Frage ist dann, was machen wir dann damit?

00:33:18: Aber was ich da eigentlich noch zu der Vorstellung des Solipsismus sagen wollte ...

00:33:22: Was ist das genau?

00:33:23: Es ist diese Vorstellung, dass man eben nur ich selber existiere.

00:33:27: Ah, okay.

00:33:27: Sehr gut.

00:33:28: Hast

00:33:28: du ein schönes Wort dafür gegeben, sehr gut.

00:33:31: Ja, genau.

00:33:32: Oder eben jetzt halt jeder der Hörer oder Hörerinnen oder du oder wer weiß ich.

00:33:38: Es kann ja immer nur die Person aus ihrer eigenen Perspektive.

00:33:41: Ja, ja, ja.

00:33:42: heraus diese denkweiß vertreten.

00:33:44: und ich finde als mir hat das auch so tatsächlich so ein bisschen einen gewissen frieden gegeben als ich

00:33:48: das

00:33:49: zum ersten mal gedacht habe weil dann natürlich so diese ganzen äußeren einflüsse und auch so das leiden was die welt produziert und so plötzlich nicht mehr so dramatisch erscheint.

00:34:03: also mir hat das auch so ein bisschen hoffnung und frieden gegeben ohne dass ich jetzt so Also erst mal war ich natürlich nicht voll und ganz überzeugt.

00:34:12: Solipsismus ist so ein bisschen ne skeptische Sonderposition, die glaube ich kaum jemand wirklich vertritt, aber die immer mal wieder so auftaucht.

00:34:20: Aber ja, die Möglichkeit davon fand ich eigentlich so ein bisschen beruhigend sogar.

00:34:24: Aber ich sehe auf deinem Punkt, dass es gefährlich sein kann.

00:34:27: Ähm, okay, aber...

00:34:30: Genau, das ist jetzt ja, jetzt waren wir auf der moralischen Ebene vielleicht, oder was ist nützlich?

00:34:34: Jetzt gehen wir vielleicht doch noch mal, wie du gesagt hast, auf die Ebene der Wahrheit.

00:34:37: Wir haben eben gesehen, Russell stellt den Idealismus vor, hat da schon so eine gewisse Einordnung gegeben und im nächsten Kapitel kommen wir zur Frage der Materie und dem Materialismus.

00:34:50: Wie beschreibt er das und wie antwortet er auf diese ganze Vorstellung dieser zwei Denkweisen?

00:34:58: Also, der Standpunkt nach dem ersten Kapitel ist jetzt erst mal, würde ich sagen, dass er jetzt erst mal alles in Frage gestellt hat.

00:35:04: Er hat

00:35:04: so in Frage gestellt, alles zerstört.

00:35:07: Können wir überhaupt irgendetwas wissen?

00:35:08: Wir haben diese sicheren Sinneswahrnehmungen, aber wir wissen nicht, ob dem irgendwas zugrunde liegt.

00:35:13: Existieren so die Gegenstände an sich überhaupt, existiert Materie überhaupt.

00:35:18: Und im zweiten Kapitel tut es sich jetzt genau dieser Frage zuwenden, existiert Materie.

00:35:23: Ja.

00:35:23: Und ... wenn ja, was können wir darüber sagen?

00:35:27: Er wendet sich da dann eben gegen diesen Solipsismus und er bringt da vier Argumente, hab ich mir rausgeschrieben, die ich jetzt gerne vortrage, aber da breche ich auch gerne.

00:35:36: Also, sein erstes Argument ist natürlich, okay, wir nehmen jetzt mal an, unsere Ausgangslage ist, wir sind alle in so im Nichts schwebende Bewusstseins und es existieren überhaupt keine Dinge außer uns.

00:35:49: Und was dagegen aber so ein bisschen spricht, ist das, wenn wir uns unterhalten.

00:35:57: Das ist die Position, dass nur Menschen existieren oder nur Bewusstseins.

00:36:02: Nehmen wir auf Dingebezug.

00:36:03: zum Beispiel auf eine Gabel oder auf eine Auto.

00:36:07: Und wir unterhalten uns ja drüber.

00:36:09: Und dann sagt der eine, der ist so rot, der andere sagt auch, es ist rot.

00:36:13: Und wir sagen, dass es gleich aussieht und so.

00:36:15: Guck mal, die jungen Leute im Park, die haben Pudding mit Gabel gegessen.

00:36:18: Die

00:36:18: haben Pudding mit Gabel gegessen hier, das hab ich total verwirrt.

00:36:22: Und wir erscheinen da ja, ein großes Agreement zu haben.

00:36:26: Und das ist eben am besten dadurch erklärt, sagt er, das ist auch wirklich etwas Stabiles.

00:36:33: materielles gibt, was eben die Sinnes-Wahrnehmungen sowohl bei dir als auch bei mir begründet.

00:36:39: Das heißt, es ist einfach die Frage, was ist am logischsten?

00:36:41: oder so, wie ist es am logischsten, dann dieses Phänomen zu erklären?

00:36:45: Ja, wobei ich da auch so ein bisschen, also ich finde das Argument nicht ganz überzeugend zu wissen, wenn man jetzt dieser radikale Skepsis, die Virgin Drustle ja eingeführt hat schonmal im ersten Kapitel.

00:36:56: Das alles nur ein Traum ist und ich bin ganz alleine Solipsismus.

00:36:59: Genau,

00:36:59: weiter durchdenkt, weil ... Für das Argument verlässt er sich zum Beispiel schon auf die Existenz von anderen Bewusstseins, von anderen Menschen.

00:37:08: Und sagt dann eben, okay, wenn wir uns mit denen unterhalten, ist es am plausibelsten, dass auch materielle Gegenstände existieren.

00:37:14: Aber wir wissen ja noch gar nicht, dass andere Menschen überhaupt existieren.

00:37:17: Also ein bisschen rübergesprungen.

00:37:19: Genau, da hat

00:37:20: er so ein bisschen eine entscheidende Prämisse.

00:37:24: Hat er damit reingemogelt, würde ich mal sagen.

00:37:27: Und zweitens gibt es da auch ein philosophisches Argument, ganz bekannt, wie der Inversion oder so oder invertierten Farben.

00:37:36: Ich weiß nicht mehr genau, wie man es bezeichnet, aber das Argument ist prinzipiell das, dass man sagt, wir unterhalten uns ja über Farben, der eine sagt, die Wiese ist, das Feld ist golden oder gelb, das Korn fällt, der andere sagt auch, es ist golden und Korn gelb.

00:37:50: Aber wir wissen ja nicht wirklich, ob wir beide dieselbe Farbe sehen, wir gleich nennen, weil wir sie schon immer.

00:37:56: anders gesehen haben.

00:37:57: Den Gedanken hatte ich auch schon öfters.

00:38:00: Der hat mich auch sehr beschäftigt.

00:38:02: So, vielleicht sehe ich die Welt ganz anders als... Und ich sage, meine Lieblingsfarbe ist grün und EasyDote hast einen grünen Pulli an und die Farbe gefällt mir, aber vielleicht hast du den ganz anders den Pulli.

00:38:13: Vielleicht

00:38:13: habe ich unter Grün schon immer was anderes gesehen.

00:38:16: Und ich finde, man könnte dieses Argument ja eigentlich in dieser ganz skeptischen Hirn zerbrechenden Linie eigentlich auch auf das meiste andere ausweiten.

00:38:27: Du sagst

00:38:27: jetzt hier die Ente, ja doch die Ente ist so ein bisschen oval und hat dann hier so... Kegel from den Kopf oder was weiß ich?

00:38:36: Den Schnabel, ja.

00:38:37: Vielleicht siehst

00:38:38: du da aber vier Ecke und nennst die nur auch Kegel oder

00:38:41: was weiß

00:38:42: ich, vielleicht sehen wir die Welt ja insgesamt.

00:38:44: Aber

00:38:45: kurz, da dachte ich, es gibt ja, jetzt, wir wollten eigentlich nicht so viel, weil Russell hat ja auch über Mathematik geschrieben, aber wir wollten jetzt ja nicht so viel Mathematisch, aber es dachte ich doch, es gibt ja einheitliche Formeln, um zum Beispiel ein Kegel zu berechnen.

00:38:59: Also... Und diese Formeln sind ja dann nicht anwindbar auf eine andere Form, zum Beispiel eben den Würfel oder so, blöd gesagt.

00:39:09: Also das ist ja schon etwas, dann ist das was universelles.

00:39:12: oder könnte man da auch sagen, okay, da spielt uns dann einfach die Vorstellung ein Streich oder in unserer, in meiner Vorstellung fügt sich das dann alles.

00:39:20: Und jemand anderes hat vielleicht ganz andere Naturgesetze sogar im Kopf.

00:39:25: Ja, die er aber gleich ausdrücken würde, dass er nicht immer

00:39:28: zweiter

00:39:29: treiben

00:39:30: könnte.

00:39:31: Ich bin mir nicht sicher, ob ich das will.

00:39:33: Aber man könnte natürlich sagen, du hast jetzt hier beim Satz des Pythagoras, der jetzt das Dreieck beschreibt, hast du jetzt immer ... ... das Dreieck eben gesehen, so wie du's gesehen hast, aber ich hab da immer ... ... einen Quader gesehen oder irgendwie was anderes, was aber irgendwie ... Ja, weil du hast schon recht, ist es dann ... ... zutreffend schwierige Frage, da stimm ich dir zu.

00:39:58: Haha!

00:40:00: Ähm ... ja, da müsste man noch weiter drüber nachdenken und ob da dieses Gapses tatsächlich ... ... funktionieren würde.

00:40:08: Ja, aber das ist gar nicht so der, ja, ja, genau.

00:40:11: Aber

00:40:11: spannend, da sind wir dann schon so richtig in den Debatten.

00:40:14: Ja,

00:40:14: und das ist ja auch Philosophie.

00:40:16: Ja, voll.

00:40:17: Sehr interessant.

00:40:18: Müsst

00:40:18: ihr mir noch mal Gedeigen drüber machen.

00:40:20: Aber auf die Farben ist es auf jeden Fall anwendbar.

00:40:22: Ja klar, das ist einleuchtend.

00:40:24: Sehr verbreitet.

00:40:26: Und eben, er nimmt eben noch diese anderen Minds an.

00:40:30: Er bringt da noch ein zweites relativ schönes Beispiel, warum wir von der Existenz von Außengegenständen ausgehen sollten, finde ich, dass es ja anschaulich ist, wo er keine anderen Menschen braucht.

00:40:42: Er schreibt dann die Katze, hier Armchair, Philosophie.

00:40:45: Die

00:40:46: Katze lege.

00:40:47: Zimmer

00:40:47: rumtreibt und er sagt eben, unsere Theorie ist einfach simpler.

00:40:51: Wir brauchen weniger Zusatzannahmen, wenn wir davon ausgehen.

00:40:55: Die Katze existiert wirklich und stromert darum meine Beine rum.

00:40:59: Und auch wenn ich nicht hinschaue, weil das ja so ein bisschen das Gegenargument, das existiert nur, worauf ich meine unmittelbare Aufmerksamkeit richte.

00:41:07: Die Katze existiert auch, wenn ich kurz wegschau.

00:41:09: Und dann schau ich wieder hin und sie taucht an einem anderen Ort auf.

00:41:13: Da ist es, das leicht damit zu erklären, wer die Katze wirklich

00:41:17: existiert.

00:41:17: Wirklich gelaufen ist.

00:41:19: Und komplizierter.

00:41:21: Vielleicht nicht unmöglich, aber es wären kompliziertere Naturgesetze zu sagen, die Katze verschwindet an diesem Punkt

00:41:28: und taucht

00:41:29: an diesem Punkt wieder auf.

00:41:30: Überall

00:41:30: sind Schrödinger als Katzen unterwegs.

00:41:33: Ja, dann wären alle Katzen vielleicht so ein bisschen ...

00:41:36: Ja, tot und lebendig gleichzeitig.

00:41:38: Ja.

00:41:39: Und was er auch noch sagt, was ich vielleicht noch so ein bisschen an die auf die Spitze treibe, die Katze entwickelt Hunger, während ich nicht zu Hause bin.

00:41:46: Wieso sollten nicht existente ... Gegenstände, ich nenne jetzt mal die Katze Gegenstand.

00:41:52: Das ist keine tierethische Aussage, aber das macht man in der Fil... Ich sag, okay, ich sag die Katze.

00:41:57: Die Idee ist, was materiell ist, die entwickelt Hunger während ich nicht da bin.

00:42:00: Warum sollte etwas, was nicht existiert, Hunger bekommen?

00:42:04: Ja interessant, aber das ist eigentlich, ich habe, also wo du es wieder so sagst, habe ich mich jetzt auch an die Stelle erinnert.

00:42:11: Und als ich das gelesen habe, dachte ich auch so, oh ja, jetzt bin ich irgendwie so ein bisschen beruhigt.

00:42:15: Weil ich dachte auch irgendwie, das ist auch total schön und simpel und irgendwie klang auch so sehr so ideal, ideal Natur.

00:42:21: Nicht Naturwissenschaftlich, sondern ideal wissenschaftlich.

00:42:23: zu sagen, die einfachste Erklärung ist die ... ist die Wahrscheinlichste.

00:42:29: Oder so.

00:42:29: Das ist gut, wenn man eine möglichst simple Erklärung für etwas findet.

00:42:33: Aber hat ich das überzeugt?

00:42:35: Weil ich hab auch ...

00:42:36: Hast auch Gegnermente.

00:42:37: Daran gibt's Zweifel.

00:42:40: Also, ich glaube, dieses zweite Argument mit dem Hunger überzeugt mich irgendwie nicht so, weil irgendwie so Simulation kann ja alles einfach so eingestellt sein wie in so einem Computerspiel oder was.

00:42:49: Aber ... Ich find's schon irgendwie logisch zu sagen, es ist irgendwie einfacher anzunehmen, dass sich dieses Objektkatze von A nach B bewegt hat in der Zeit, wo ich nicht hingeguckt habe, als dass es irgendwie verschwunden ist und dann wieder auftaucht.

00:43:06: Also der Skeptiker in mir hat so ein bisschen gesagt, die Welt ist halt einfach so, wie sie ist.

00:43:13: Entweder ist die Welt so, dass die Katze sich kontinuierlich fortbewegt, dass sie materiell ist und existiert.

00:43:19: oder die Naturgesetze sind einfach so, dass Dinge verschwinden und dann ähnlich wieder erscheinen.

00:43:24: Das kann ja auch einfach auf Basis der grundlegenden Gesetze der Welt halt einfach so sein.

00:43:33: Hast du dich schon mal mit einem Physiker darüber unterhalten, wie wir diese annahmen?

00:43:37: Darüber spezifisch weiß ich jetzt noch nicht.

00:43:39: Aber ich hab mich schon mit Physiker drin.

00:43:40: Aber es ist ja interessant, weil ich meine, die würden ja auch ... immer sagen, ich meine, wir haben die Naturgesetze zu einem sehr großen Teil.

00:43:49: Also wenn man jetzt nur von den physikalischen, chemischen und so weiter Naturgesetzen ausgeht, dann kann es ja gar nicht sein, dass die Katze da plötzlich verschwindet und wieder an einem anderen Punkt auftaucht.

00:43:59: Dann wird es, wäre ja die Annahme, dass wir sozusagen einfach in der Physik, also kann natürlich auch sein, dass wir einfach wirklich komplett auf dem falschen Weg sind, auf dem falschen Fahrt.

00:44:11: Also so wie ich das sehe, wäre das equivalent.

00:44:13: Das würde nicht auf der Basis nix unterschiedliches beschreiben, weil die Naturgesetze orientieren sich ja an Beobachtungen und die Naturgesetze würden die Welt... so beschreiben oder sie würden sie so beschreiben.

00:44:28: Ganz gleich, was jetzt wirklich da so in diesem, was weiß ich noch, Skepsis oder diese ganz fundamentalen Ebene, wo wir gerade unterwegs sind, irgendwie verschieden ist.

00:44:41: Also weißt du, die Naturgesetze würden halt im Einfall beschreiben, wie eine Kon- tenuierlich existente Katze,

00:44:48: Hunger entwickelt.

00:44:49: Nach den Gesetzen der Chemie und im anderen Fall würden sie einfach beschreiben, wie ein Eindruck einer Katze auftaucht.

00:44:58: Und dann, wenn man nach einer gewissen Zeit, wenn man sagen möchte, dass Zeit existiert, wenn man sie wieder anschaut und dadurch in die Existenz versetzt, wie dann der Status der Katze.

00:45:07: Und sie agiert nach biologischen Gesetzen so, dass wir es interpretieren, als sie hat jetzt Hunger.

00:45:12: So,

00:45:12: z.B.,

00:45:12: weil ich sie jetzt angeziehe.

00:45:14: Vorher hat sie halt nicht so agiert.

00:45:16: Ja, also das sehe ich eigentlich beide Positionen kompatibel mit den Naturgesetzen.

00:45:21: Ja, interessant.

00:45:22: Die eben auch nur, und das übrigens auch Russells, Überzeugung.

00:45:26: Er ist der Strukturalist, was die Physik betrifft.

00:45:29: Er

00:45:29: war ja auch sehr engagiert, also sehr befreundet mit Einstein und so weiter.

00:45:35: Er sagt eben, dass die Naturgesetze eben nur ... Strukturelle Zusammenhänge zwischen Dingen beschreiben und eben diese gehaltvolle Ebene, dieses Ding an sich, nachdem wir hier gerade fragen, eben überhaupt nicht beschreiben, sondern da so eine gewisse Leerstelle lassen.

00:45:54: Und diese strukturellen Zusammenhänge ergeben sich ja so oder so.

00:45:57: Das stimmt, okay.

00:45:58: Aber ja,

00:45:59: gut.

00:46:02: Hast du noch einen Punkt, den Russell dann jetzt anführt, noch gegen die ...

00:46:06: Ja, er bringt noch hier zwei weitere Argumente, sogar, nämlich, wobei der Dritte hier eigentlich bis in derselbe ist.

00:46:12: Ich weiß gar nicht, warum ich den rausgeschrieben hab.

00:46:15: Genau, es ist einfach die einfachste ... Erklärung insgesamt.

00:46:20: Aber was er dann noch bringt, ist, dass es ja so ein bisschen, das nennt er Intrinsic Belief.

00:46:25: Es ist ja so unsere Grundüberzeugung, mit der wir geboren sind, dass wir grundsätzlich mal wahrscheinlich auch viele, die den Podcast gerade hören, einfach annehmen.

00:46:34: die Katze existiert,

00:46:35: der Tisch

00:46:36: existiert.

00:46:37: Die haben vielleicht auch diese und diese Farben, etc.

00:46:41: Das ist einfach ... Mit dieser Vorstellung, mit dieser grundsätzlichen Überzeugung werden wir alle geboren.

00:46:47: Das ist einfach so.

00:46:48: Deshalb könnte man vielleicht sagen, so ... The burden of proof ist da auf Seiten des Skeptikers.

00:46:54: Wenn wir so erst mal alle eine Meinung teilen und dann behauptet jemand, was abgespaced ist, dann ist erst mal der ...

00:47:03: beweisen, dass das alles nicht existiert.

00:47:06: Das stimmt natürlich, weil ich meine, so wie ich das jetzt verstanden habe, sind es eigentlich alles immer nur Zweifel, die geäußert werden.

00:47:12: oder ich meine, sie können ja eben, es sind keine hundertprozentigen Beweise.

00:47:18: Ne, sowieso nicht, aber das gibt es in der Philosophie.

00:47:21: Ja, das dachte ich mir schon.

00:47:22: Es hält, weiß ich

00:47:23: nicht.

00:47:25: Das ist jetzt auch das, was ich noch mal betonen möchte.

00:47:27: Ich hab nämlich auch einen Zweifel.

00:47:30: Ja, eben.

00:47:31: Aber was ich jetzt hiermit mache, das ist so die philosophische Praxis.

00:47:36: Ich bin jetzt nicht unbedingt der Überzeugung, dass ... Ich tue jetzt nicht stark die These vertreten, dass ich sage, ich bin solipsist und nur ich existiere.

00:47:46: Aber man prüft halt Argumente.

00:47:48: Ja, sicher, sicher.

00:47:49: Und was ich jetzt hier auch vielleicht auf dieses Intrinsic-Belief-Argument ... und antworten würde, Herr Kinder glauben erst mal viele Sachen.

00:47:57: Zum Beispiel glauben Kinder auch.

00:47:59: Dass der Weihnachtsmann existiert.

00:48:02: Oder

00:48:02: ist es nicht sogar psychologisch so, dass Kinder so eine Vorstellung von der Außenwelt tatsächlich sogar erst nach einiger Zeit entwickeln.

00:48:12: Und deshalb zum Beispiel auch glauben, um sich zu verstecken, brauchen sie sich

00:48:16: nur die Augen

00:48:17: zu halten.

00:48:18: Das ist so gefährliches Halbewissen, aber ich hab das auch gehört.

00:48:23: versteht man ja als Mensch auch erst, dass man überhaupt sein Ich

00:48:27: gibt.

00:48:27: Genau.

00:48:28: Weil ich jetzt damit sagen will, so was sind denn jetzt überhaupt diese intrinsic, angeborenen Beliefs, die wirklich verteidigungswürdig sind, ist zum Beispiel der Belief, dass ich unsichtbar bin, wenn ich mir die Augen zu halte, verteidigungswürdig, sollten da ganz der alte Philosophen dafür argumentieren.

00:48:48: Oder ...

00:48:49: ist es

00:48:50: zumindest mal gar nicht so leicht zu sagen, was jetzt wirklich welche Annahmen, mit denen wir aufgewachsen sind, von dem nur deshalb schon einen höheren Gültigkeitsanspruch haben, zum Beispiel, dachte ja auch.

00:49:03: Dachten ja auch fast alle, sehr lange, dass die Sonne aufgeht und wieder untergeht.

00:49:09: Und nicht, dass die Erde sich um die Sonne bewegt.

00:49:11: Oder die Quantenphysik erscheint uns ja allen als völlig kontraintuitiv.

00:49:17: Relativitätstheorie auch.

00:49:19: Trotzdem würden wir sagen, die sind wahr, obwohl es unseren ... Aber gut, da können wir noch sagen, da wurden gute Argumente gegeben.

00:49:25: Es ist alles bisschen ... Ja.

00:49:27: Nee, kann ich auch wiederum nach.

00:49:30: So.

00:49:30: Und dann hat Russell noch einen Punkt, oder?

00:49:32: den er gegen die, ah nee, das habe ich, oh, dann habe ich, jetzt sind wir durch.

00:49:38: Okay, gut, aber ich bin erlöst.

00:49:41: Aber okay, wie würdest du es jetzt zusammenfassen, als du hast gesagt, eben du prüfst sozusagen nach guter philosophischer Praxis und Tradition, aber was ist denn jetzt deine Meinung konkret?

00:49:53: Wenn wir jetzt nochmal auf unseren Tische in diesem Studio zurückkommen vielleicht.

00:49:57: Also meine Konklusion ist, dass es quasi zwei Positionen gibt, die in Anbetracht dieser ganzen, dieses ganzen Skepsis und dieser ganzen philosophischen Prüfung quasi gleichwertig nebeneinander stehen und wo jetzt keine guten Argumente oder letztgültig überzeugenden Argumente entweder hundert Prozent für die eine oder für die andere sprechen.

00:50:20: Und zwar, wer einerseits was so logisch konsequent ist, da lässt sich nicht wirklich eine starke Wiederlegung finden, wer einerseits tatsächlich dieser Solipsismus.

00:50:31: Andererseits könnte man auch sagen, man geht jetzt einfach mal mit der Intuition mit, wie sie auch Russell so meint, und sagt dann eben, ich existiere, das weiß ich sicher in beiden Punkten, andere Menschen existieren, das ist so der zweite Schritt.

00:50:45: dann wirkt zum Beispiel auch das erste Argument, was Russell gemacht hat, mit dem wir unterhalten uns über dieselben Sachen.

00:50:52: Und dann nehme ich auch an, dass einfach die Welt so existiert, wie sie existiert, dass alles irgendwie ganz Unmysteriöses, alles so ganz, wie wir es in unserem Alltagsverständnis annehmen.

00:51:03: Aber zwischen die, die würde ich sagen, sind beide logisch vollkommen haltbar.

00:51:10: Was dann allerdings so ein bisschen, und dagegen heute auch Russell nicht überzeugend argumentieren, er sagt auch irgendwo, die Gründe, die er gegen diesen Solipsismus vorbringen könnte, sind schwächer, als er sich gewünscht hätte.

00:51:20: Ich habe jetzt hier dieses Zitat

00:51:22: nicht ganz da, aber es scheint es schon auch zu erkennen.

00:51:26: Und dann würde ich aber sagen, es ist eine Präferenzgeschichte.

00:51:29: Bei dir vielleicht mit deinen ethischen ... Weil wenn dann alles andere Gleichwertiges, die irgendwie die Empirie oder die Logik oder die ... die Wahrheitsfindende Überzeugungskraft ist völlig ausgewogen, dann kann man wahrscheinlich schon sagen, die meisten wollen einfach nicht mit der Vorstellung leben, dass nur sie existieren.

00:51:50: Alle anderen Menschen, die Illusion sind.

00:51:52: Und deshalb, wenn wir wollen ... dürfen wir gerne annehmen, dass auch die Welt und die anderen Menschen existieren.

00:51:58: Danke, Isidore, dass du das uns erlaubst.

00:52:01: Ja, wir haben

00:52:01: es gerade

00:52:02: philosophisch auf seine Plausibilität geprüft.

00:52:05: Ja, das stimmt.

00:52:06: Also, es war sehr interessant.

00:52:07: Ist natürlich auch sehr anstrengend nämlich.

00:52:09: Also merke ich zumindest selber, dass es schon sehr viel herausfordernd ist.

00:52:13: Aber ich gebe zu es sind sehr spannende Fragen.

00:52:16: Kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, dass ich das beschäftigt.

00:52:20: Aber jetzt gehen wir vielleicht noch mal auf so eine ganz andere Ebene.

00:52:23: Du hast ja auch gesagt, Bertrand Russell ist jetzt nicht nur wegen dieses Buches, dass du sehr anschaulich findest, irgendwie ein Thema, mit dem du dich jetzt gerne hier mit diesem Podcast beschäftigen wolltest, sondern auch einfach, weil seine Person auch sehr, sehr spannend ist.

00:52:38: Ja, kannst du ein bisschen sagen, was findest du faszinierend an ihm?

00:52:41: Ja, ist eine sehr spannende Person.

00:52:43: Bertrand Russell war ... Damals, so ein bisschen, oder Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, bis Mitte, Ende, also er hat lange gelebt, sie wurde aus Jahreser geboren.

00:52:57: Und dann, äh, neunzehntes siebzig gestorben.

00:53:00: Echt lange Zeit, ja.

00:53:01: Und er war eigentlich die ganze Zeit seines Lebens so was wie so ein öffentlicher Intellektueller.

00:53:07: Allerdings jetzt nicht nur ein Wissenschaftskommunikator, weil er hat auch wirklich, ähm, oder ein philosophischer, also nicht nur so ein Public Intellectual, jemand, der heutzutage in Talkshows sitzen würde, sondern er hat auch vielleicht so ein bisschen wie Noam Chomsky, oder so.

00:53:22: Medienpräsent.

00:53:24: Ja.

00:53:24: Aber er hat auch es sehr wirklich ... bahnbrechendes Leistungen in der Philosophie, aber auch in der Mathematik vollbracht.

00:53:33: Und er war eben, er hatte so ein spannendes Leben, einfach, als ich das mal durchgelesen hab.

00:53:38: Hat er viel geschrieben, wissen wir schon.

00:53:40: Ja,

00:53:40: viel geschrieben.

00:53:42: Er ist in eine britische Adelsfamilie geboren.

00:53:45: Als er zwei Jahre war, sind seine Mutter und seine Schwester gestorben.

00:53:49: Als er vier war, sein Vater.

00:53:51: Er ist dann zu seinen Großeltern gezogen.

00:53:54: Als er ... Sechs war, ist dann auch noch sein Großvater gestorben, der übrigens britischer Premierminister mal war.

00:54:01: Also Russell kam schon aus einer sehr aristokratischen Familie, würde man sagen.

00:54:06: Also

00:54:07: hohe Elite in Großbritannien.

00:54:08: Ja,

00:54:09: er war dann ja auch später der Earl Russell.

00:54:11: Andererseits ist er in Zeitseinslebens auch mehrfach im Gefängnis gesessen, spannenderweise.

00:54:16: Stimmt,

00:54:17: das hattest du erzählt.

00:54:18: Und

00:54:18: wurde, glaub ich, von fast jeder Universität, wo er ... Nee, das ist wahrscheinlich übertrieben.

00:54:23: Aber er wurde ... von drei, vier Professoren, Tätigkeiten, die er an Universitäten ausgeübt hat, dann auch gefeuert.

00:54:31: Also, er war auch ... Er hat für

00:54:32: Ferrore gesorgt, der Gute.

00:54:34: Er war sehr streitbar.

00:54:36: Unter anderem aus zwei Gründen.

00:54:38: Er war bekennender Atheist.

00:54:50: Was damals sehr ... gerade also dann ... ... in die USA gegangen ist und dort unterrichten wollte, ... ... da gab es da Public Outrage und Protest.

00:55:01: Und er wurde sogar verurteilt von einer der Mutter eines Studentens an der New York, ... ... am City College.

00:55:10: Und er wurde vom Gericht als Morally Unfit betrachtet, ... ... um dort Logik und Mathematik zu unterrichten.

00:55:17: Und er hat sich eben auch stark für ... Abrüstung eingesetzt, gerade gegen Atomwaffen.

00:55:22: Da hat er unter anderem mit ein Stein, hier das Russell-Einstein-Manifesto veröffentlicht, gegen Abrüstung eingesetzt hat.

00:55:31: Und er war auch ein Verfechter von Frauenrechten, sehr stark.

00:55:35: Und so für Offenheit, freie Selbstbestimmung und auch für mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen.

00:55:41: Also sehr streitbar in der damaligen Zeit.

00:55:44: Und sehr politisch auch, wie man sieht.

00:55:46: Sehr politisch.

00:55:47: Und auch sehr hat er den Autoritäten sehr auf die Finger geschaut.

00:55:52: Also er hat auch dann so ein ... Russell Tribunal, kurz vor seinem Tod, noch eröffnet, wo er in seinem öffentlichen Gericht irgendwie die Kriegsverbrechen der USA in Vietnam verurteilen wollte.

00:56:03: Also er war sehr engagiert und hat da auch wirklich diverse ... Er war Sozialist oder hat mit Sozialismus sympathisiert, hat dann, glaube ich, in den Neunzehnzwanzig Lenin besucht.

00:56:16: I met Lenin in nineteen twenty when I was in Russia.

00:56:21: Ich hatte ein paar

00:56:22: Stunden

00:56:22: mit ihm gesprochen.

00:56:23: Ich war weniger beeindruckt von Lenin, als ich es erwartet hätte sein.

00:56:37: Er war natürlich ein guter Mann.

00:56:39: Er war ziemlich unvergesslich, dass es in Marks nichts hätte sein können, das nicht richtig war.

00:56:48: Und das hat mich als eher beinahe geblieben.

00:56:51: Ich decidee noch etwas an ihm, das war seine

00:56:57: große Bedeutung,

00:56:58: der Held.

00:56:58: Er sagte, du siehst, Ich habe nicht so viel wie

00:57:04: das.

00:57:04: War dann aber so enttäuscht von ihm, dass er gesagt hat, völliger Schwachsinn.

00:57:10: So ein bisschen wie ... War das nicht Sartre?

00:57:13: Der hat auch die RAF-Terrorist in Stammheim besucht.

00:57:19: Und war da auch dann irgendwie ... Ich glaub, irgendwie so.

00:57:24: Vielleicht ist das ein Muster bei öffentlich wirksamem Philosophin.

00:57:29: Und

00:57:29: um die Trivia jetzt aber noch zu vollenden, was ich auch hier extrem ... Spannend fand er.

00:57:35: Ja.

00:57:35: Er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ...

00:57:42: ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ...

00:57:45: er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er ist, ... ... er bis er gerettet wurde und von vierzig Passagieren sind, neunzehn Leute gestorben.

00:58:08: Also, ne harter Knochen, intellektuell.

00:58:13: Und Füße schön.

00:58:14: Er hatte Durchhalte vermögen.

00:58:15: Würde

00:58:15: ich mal sagen, ja.

00:58:18: Ja, Wahnsinn.

00:58:18: Also, ich hab mir da noch so ein bisschen die Frage gestellt, diese starke Verbindung auch von der einerseits der Philosophie und der Forschung auch irgendwie und gleichzeitig diese sehr starke Verbindung mit den so brisanten politischen Fragen, so der Zeit, also wie gesagt, er hat sich eben auch, wie du gesagt hast, gegen Vietnam geäußert, Atom bewegen und so weiter.

00:58:41: Kennen wir ja auch von Hannah Arendt oder so auch, die den Eichmann-Prozess begleitet hat.

00:58:46: Wie würdest du sagen, gestaltet sich denn so allgemein diese Verbindung von Philosophie hin zu dieser sehr konkreten Alltagswelt, die halt uns so umgibt?

00:58:58: Also, das ist jetzt im Fall von... Bertrand Russell schwierig zu sagen.

00:59:04: Weil ich würde natürlich sagen, im Fall von Moral ist es sehr konkret.

00:59:09: Weil man natürlich sagt, okay, wenn man jetzt hier herausfindet, wie sich Menschen verhalten sollen, was so die moralischen Prinzipien sind, nach denen wir es verhalten sollen, dann ist es sehr klar, wie das auch in so einem konkreten ... dass er ein Aktivismus oder so ausarten kann oder da Einfluss nehmen kann.

00:59:28: Bei Bertrand Russell ist es aber so, dass er, glaub ich, auch der moral so ein gewisser Hinsicht skeptisch gegenüberstand in dem Sinne, wenn ich mir auch nicht hundertprozentig sicher, dass er eben gesagt hat, da lässt sich vielleicht nicht so objektive Wahrheit drin finden.

00:59:43: Wobei ich da auch ein Zitat vorhin gelesen hab, wo er schon so geklungen hat.

00:59:46: Aber das war, wie gesagt, wandelbare Position.

00:59:49: Ja,

00:59:49: klar.

00:59:50: Er

00:59:50: ist sehr alt geworden.

00:59:52: Es gibt ein sehr, sehr ... Das ist vielleicht zu lange vorzulesen, wo er sein eigenes Leben beschreibt.

00:59:56: Und er sagte eigentlich, dass es drei Passionen waren, die so sein ganzes Leben lang getrieben oder sein Leben bestimmt haben.

01:00:13: Also, vielleicht haben wir eine persönliche.

01:00:15: Ist ja doch eigentlich ... Ein perfekter Abschluss für einen Podcast über Leidenschaften.

01:00:20: Wie über die großen Leidenschaften von Russell jetzt noch erfahren haben.

01:00:24: Würdest du auch unterschreiben, sind das deine auch?

01:00:26: Ich

01:00:27: hab so ein bisschen überlegt, sieh mir vielleicht mehr zu eignen.

01:00:32: Aber an sich ist es natürlich sehr anknüpferg und das ist ja auch warum ich so eine ... Leidenschaft für Russell habe.

01:00:40: Also die kann ich auf jeden Fall nachholen.

01:00:41: Bei mir

01:00:42: sind es vier.

01:00:42: Die drei und dann noch Russell.

01:00:44: Einfach eher noch selber.

01:00:45: Ah, toll.

01:00:46: Sehr schön.

01:00:46: Das sind wir gleich wieder.

01:00:47: Bist du auch zum Russell Jünger oder so?

01:00:50: Russell Jana.

01:00:51: Ja, sehr schön.

01:00:52: Easy Door.

01:00:53: Ich fand auch irgendwie jetzt noch so.

01:00:54: vielleicht abschließend, fand ich sehr spannend.

01:00:56: Ich habe ihn so überlegt.

01:00:57: ist es ja eigentlich ein Phänomen, was heute eher so ein bisschen ausgestorben ist, aber wenn wir zu Russell überlegen, in der Philosophie, in der Mathematik hat er was gemacht und so weiter, auch noch politisch engagiert.

01:01:07: Irgendwie hatte ich das Gefühl, es könnte so einer der letzten großen Universalgelehrten gewesen sein.

01:01:15: Der Begriff ist mir auch öfter in den Kopf gekommen.

01:01:19: Weil er hat auch noch Sachen über Erziehungswissenschaft gemacht.

01:01:22: Er hat irgendwie auch noch zehn Jahre seine eigene Schule betrieben.

01:01:26: So ein alternatives Erziehungskonzept.

01:01:28: Also

01:01:28: es knüpft wirklich nicht ab, womit das sich.

01:01:32: Aber was mir vielleicht auch noch... Entschuldigung, ich weiß nicht.

01:01:34: Alles gut.

01:01:35: Was ich vielleicht gegen Ende auch noch erwähnen möchte, was ich sehr... inspirieren finde, er war auch einer der stärksten, das hängt mit dieser Atomwaffenkritik zusammen, Advokaten von überstaatlicher Kooperation der Menschheit, auch so sehr stark für sowas wie die United Nations.

01:01:54: Ein Weltparlament.

01:01:55: Ein Weltparlament, sich

01:01:57: eingesetzt und ein Zitat, was mich wirklich irgendwie mir sehr in so einem Interview, da gibt es auch eine Tonaufnahme, deshalb spielen wir das jetzt hier ein.

01:02:06: Der weltweite Regierung sollte natürlich ein federales Regierung sein, um einen sehr großen Teil des Friedens der individuellen Nationen und nur diese Dinge, die der weltweite Regierung kontrolliert, die absolut notwendig sind für die Erweidung der Krieg.

01:02:29: Die wichtigsten und die schwierigsten von diesen sind die armed forces.

01:02:35: Alle wichtigsten Waffen der Krieg.

01:02:39: Wir müssen in den Händen der internationalen Regierung sein.

01:02:44: Wenn das passiert, wird die Krieg praktisch unmöglich sein.

01:02:50: Und wenn die Krieg unmöglich ist, kann die Menschheit vorgehen.

01:02:53: Wenn die Krieg nicht unmöglich ist, wird jede Abenteuer in der technischen Technik im Messmörder eine Abenteuer in der Technik sein, und ist deshalb unsicherbar.

01:03:04: Wenn der Weltgeist erreicht wird, wird es nur die Opposition.

01:03:08: Wo er eben dann sich im Lichte dieser Atom, dieser neuen Atombedrohung sehr kritisch über den technischen Fortschritt äußert und eben sagt, wir brauchen so eine globale menschliche Kooperation, weil sonst wird jeder weitere technische Fortschritt ab diesem Punkt zu ein globales Waffenwettrüsten lostreten und eine größere Bedrohung für die Menschheit als Ganzes sein.

01:03:32: Und das sehen wir grad, das ist hochaktuell,

01:03:34: wie ich finde, in

01:03:36: der aktuellen Debatte um so was wie autonome Waffensysteme mit KI und so.

01:03:40: Weil wir es eben sehen, wir sehen schon wieder ein Wettrüsten, wir sehen schon wieder

01:03:45: kopfloses,

01:03:46: gedankenloses, gedankenlosen Wettstreit, der sich eben so hochpruscht, weil sich alle in Konkurrenz zueinander sehen.

01:03:53: Und ich find, da ist so sein Statement, da ist so ein großer Weckruf.

01:03:56: Und ich find's wirklich schade, dass da so ein bisschen dieses intellektuelle Fieber ... zu so einer Weltorganisation heute mehr und mehr verloren gegangen.

01:04:06: Ja, es sind alle sehr so eine zynische, so bisschen Hände in den Shows legen.

01:04:10: Es funktioniert doch eh alles nicht mehr, ja.

01:04:13: Aber da kann man auch sehen, finde ich, und das fand ich auch sehr schön, vielleicht, dass da die Bedeutung von Geisteswissenschaft und eben Intellektualismus sozusagen auch sehr entscheidend ist und sich da auch noch mal... zeigt, weil es da ja auch einige große Skeptiker gibt, was dann das alles überhaupt soll und warum es das eigentlich alles überhaupt braucht.

01:04:36: Isidore, vielen lieben Dank für deine Einblicke in Bertrand Russell und die Welt der Philosophie.

01:04:40: Danke dir für die Einladung,

01:04:42: war prima.

01:04:43: Sehr gerne.

01:04:44: Wenn jetzt die Leute auch sagen, sie sind auch so große Fans von Bertrand Russell wie du es bist, wo können wir sie hinverweisen?

01:04:52: Ich verweisen Sie gerne erst mal auf die Stanford Encyclopedia auf Philosophie, die hier ein ganz tolles Nachschlagewerk ist von philosophischen Experten geschrieben, anders als Wikipedia, was auch ein tolles Konzept hat.

01:05:06: Auch der Wikipedia-Artikel zu Bertrand Russell ist sehr spannend.

01:05:09: Wie gesagt, seine Trivia, sein Leben, ich kann sie jedem eigentlich empfehlen.

01:05:14: Verlinken wir in den Schaunen.

01:05:15: Mit der

01:05:15: Person zu beschäftigen, die beiden Sachen.

01:05:17: Und dann natürlich das Buch, The Problems of Philosophies, glaube ich, das

01:05:21: beste

01:05:21: Einstiegswitz.

01:05:21: Genau, gibt es auch, habe ich gesehen, auch als PDF im Internet so verfügbar, also auch nicht schwer zu finden.

01:05:28: Und ja, auch natürlich... was wir an Audiumaterial eingespielt haben, verlinken wir natürlich auch selbstverständlich.

01:05:37: Und dann, ja, war's das schon wieder, liebe Hörerinnen, Beifahrer und Fan.

01:05:40: Für dieses Mal, falls euch diese Folge gefallen hat, schreibt uns gerne an podcast.atm-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m-m.

01:05:48: Oder wir werden auch jetzt zeitnah dann einen Post auf Instagram und auf Mastodon veröffentlichen auf App-Feuer-Fan-Unterstrich-Podcast.

01:05:56: Da machen wir ein Post und da könnt ihr, falls ihr eben Meinungen, Kritik, Rückmeldungen, Ergänzungen... zu dieser Folge habt, könnt ihr sie gerne auch dort drunter kommentieren.

01:06:05: Oh, da kommen dann noch ...

01:06:07: Die kommen in die Debatte rein und sie nehmen dich alle auseinander, Isidore.

01:06:12: Ich bibbare, nein, ich bin sehr glücklich, mich da vielleicht auch noch mal zu antworten.

01:06:17: Sehr schön, ja,

01:06:18: sehr gut.

01:06:18: Irgendwie hat das auch vor kurzem gesagt, mir fällt's grad nicht mehr an.

01:06:21: Ich freu mich auf die Online-Kommentare.

01:06:23: Wir verabschieden uns fürs dieses Mal.

01:06:25: Macht's gut, ciao!

01:06:30: Ein Angebot der Media School

01:06:46: Bayern.

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